Melanchthon Philip

Philipp Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt (* 16. Februar 1497 in Bretten; † 19. April 1560 in Wittenberg), war ein Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter. Er war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation und wurde auch „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt.

Melanchthon lernte Luther bei der Heidelberger Disputation kennen. Luther, der durch seine Veröffentlichung der 95 Thesen schon 1517 die Kirche zu reformieren begonnen hatte, fand in Melanchthon als Reformer des Bildungswesens eine ergänzende Persönlichkeit für die Erneuerung der Kirche. Von Luther, so sagte Melanchthon selbst, habe er das Evangelium gelernt. Jedoch waren beide sehr unterschiedlich. Während Luther kräftig, korpulent, oft polternd und volksnah war, wirkte Melanchthon sensibel, leicht verletzbar und zart. Luther ärgerte sich bisweilen über die Vorsichtigkeit seines 14 Jahre jüngeren Mitstreiters, wogegen Melanchthon gelegentlich unter der groben und aggressiven Art Luthers litt. Trotz alledem schätzten sich beide sehr und wussten um die Vorzüge und Stärken des anderen. Dies lässt sich auch anhand der Übersetzung des Neuen Testaments durch Luther im Herbst 1521 auf der Wartburg nachvollziehen, als Melanchthon die Durchsicht und linguistische Korrektur vornahm. Alsbald folgte die Übersetzung des Alten Testaments. 1524 und 1534 erschien dann die gesamte Lutherbibel.

Bereits 1519 begleitete er Luther zur Leipziger Disputation. 1521 veröffentlichte er die erste systematische Darstellung der reformatorischen Theologie (Loci communes rerum theologicarum). Damit waren die Hauptpunkte reformatorischer Ideen formuliert und die erste einflussreiche Dogmatik der evangelischen Kirche verfasst, die in den Jahren 1535, 1543 und 1559 neu überarbeitet und angepasst wurde.
Gemälde von Lucas Cranach d.J., von 1559 Philipp Melanchthon im hohen Alter

Im Jahr 1529 übernahm Melanchthon die Rolle des Verhandlungsführers der Reformation auf dem Reichstag zu Speyer, weil Luther als Geächteter an den Verhandlungen nicht teilnehmen konnte. Des Weiteren nahm er im gleichen Jahr am Marburger Religionsgespräch teil. Er war außerdem am Wormser und Regensburger Religionsgespräch beteiligt, die jedoch erfolglos verliefen. Sein Anliegen war dabei stets, die Reformen unter bewusstem Verzicht auf Gewalt durchzusetzen und die Einheit der Kirche zu erhalten. Dem entsprach seine entgegenkommende Haltung auf dem Augsburger Reichstag sowie später gegenüber den Katholiken in den Leipziger Artikeln. Sein diplomatisches Wesen und Geschick, das er bei der Abfassung der Torgauer Artikel, der Confessio Augustana, der Apologie der Augustana und Tractatus de potestate papae (Traktat über die Gewalt und den Primat des Papstes) beweist, zählen zu den grundlegenden evangelischen Bekenntnisschriften und tragen zum Erfolg der Reformation bei.

Nach Luthers Tod fiel ihm die Führungsrolle im Protestantismus zu. Melanchthon bemühte sich intensiv, die evangelische Lehre auf den Reichstagen verständlich zu machen und zugleich um die Einheit der Kirche zu kämpfen. So wurden in der Wasserburg zu Buschhoven 1543 zwei Reformationsschriften (Einfaltigs Bedencken auch Kölner Reformation genannt) durch Martin Bucer, ein weiterer Reformator, und Philipp Melanchthon für den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied verfasst.

Die Bemühungen blieben erfolglos, die Spannungen zwischen den Parteien wurden immer stärker. 1546/47 kam es zum Schmalkaldischen Krieg zwischen dem katholischen Kaiser Karl V. und den evangelischen Fürsten.

Auch unter den Protestanten gab es unterschiedliche Meinungen zu bestimmten Themen, so dass Melanchthon mehrfach zu Religionsgesprächen reisen musste. Bekannt ist beispielsweise das Religionsgespräch in Marburg, bei dem Melanchthon und Luther im Oktober 1529 den Schweizer Reformator Ulrich Zwingli trafen. Während man auf vielen Gebieten Übereinstimmung erzielte, etwa bei der Taufe oder der Beichte, blieb das Verständnis des Abendmahls, also die Frage, ob Christus real oder symbolisch in Wein und Brot anwesend ist, offen. Vor allem wegen dieses Streitpunkts entwickelten sich später reformierte und lutherische Kirchen. Andere Auseinandersetzungen musste Melanchthon mit eigenen Schülern ausfechten, die ihm Verrat an der wahren Lehre Luthers vorwarfen: Melanchthon habe Zugeständnisse gemacht, etwa dass ein evangelischer Pfarrer einen Chorrock tragen dürfe. Melanchthon hingegen hielt solche Fragen für äußerlich und nebensächlich. Doch seine innerprotestantischen Widersacher hielten jeden Kompromiss für Verrat und Rückkehr zum Papsttum. Auch adiaphoristische Streitigkeiten mit den Gnesiolutheranern führten in seinen letzten Lebensjahren zunehmend zu innerer Enttäuschung und Verbitterung. Nach dem Urteil Adolf von Harnacks hatte er sich dies jedoch selbst zuzuschreiben, da er sich z. B. hinsichtlich der Abendmahlslehre (Konsekration) zunehmend von der Position Luthers entfernt hatte und kurz vor seinem Tode sogar bereit war, dagegen öffentlich aufzutreten (Hardenberg Bremen).

Das Melanchthonprojekt

Das Melanchthonprojekt ist ein stets wachsendes Kunstwerk, das in der Melanchthonkirche Düsseldorf entsteht. Künstlerischer Leiter des Melanchthonprojekts ist Klaus Stecher; beteiligt sind darüber hinaus etliche weitere Berufs- und Laienkünstler. Das Melanchthonprojekt ist ein Benefizkunstwerk zur Unterstützung der Diakonie-Stiftung Melanchthon.

Das Melanchthonprojekt besteht aus einer Vielzahl von Einzelbildnissen; für jedes der Einzelbildnisse gibt es einen Bildpaten. Patenschaften sind an eine Zustiftung zugunsten der Diakonie-Stiftung Melanchthon geknüpft.

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Weitere Informationen:
http://www.melanchthonprojekt.de

Melanchthon zum 450.

http://www.ekd.de/melanchthon2010/

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