Gräb-Schmidt/Preul: Anthropologie

Der Mensch ist wie Gott, Tiere, die Welt und so manches andere ein Großthema. Und: „Anthropologie ist ein weiter Begriff.“ So lautet der erste Satz des kurzen Vorwortes (S. VII f.) der beiden Herausgeber des hier anzuzeigenden neuen Bandes des “Marburger Jahrbuch Theologie“. Dieses ist eine extra Reihe innerhalb der „Marburger Theologische Studien“, die 1963 von Hans Graß und Werner Georg Kümmel ins Leben gerufen wurden. In früheren Bänden wurde aus dem Großthema Mensch zum Beispiel die Themen „Das Selbst in der Evolution“ (2004), die Menschenwürde (2005) und 2008 die Sünde thematisiert (siehe S. 131-134 die Liste ausgewählter Titel).

Im Luther-Reformations-Gedenkjahr liest man vielleicht zuerst und mit etwas größerem Interesse die Luther zum Inhalt habenden Beiträge. Am Anfang (S. 1-29) des Bandes steht ein Beitrag zu Ps 51. Diesen hatte Luther mehrmals ausgelegt. Und er ist einer der gottesdienstlich vorgeschlagenen Psalmen (siehe EG S. 1298). Hier wird man jedoch erst einmal enttäuscht. Denn Thomas Krüger, Professor für alttestamentliche Wissenschaft und altorientalische Religionsgeschichte an der Universität Zürich, liest den vierten der sieben Bußpsalmen ausgesprochen a-lutherisch, sprich: ohne auch nur einen einzigen Bezug zu Luther. Am Ende versteht Krüger Ps 51 wie die „Lebensäußerung eines ´fremden Verwandten´“, die „eher zu einem ´neuen Lied´ inspirieren lässt als dazu, sie sich als Gebet zu eigen zu machen“ (S. 29, grammatikalisch angepasst). - Ins intensive Gespräch mit Luther begibt sich hingegen S. 55-84 der Hamburger Systematiker Michael Moxter. Ausgehend von Luthers Anthropologie bezieht er weitere Anthropologien mit ins Gespräch ein, die „den Menschen als darstellendes Wesen begreifen“ beziehungsweise „vom animal symbolicum oder vom homo pictor sprechen“ (S. 63). Direkt in der Themenformulierung taucht Luther bei Notger Slenczka auf: „Die Anthropologie Martin Luthers...“ (S. 85-116). Neue Aspekte bieten die beiden Beiträge von Samuel Vollenweider (S. 31-53: über die Alternative von ganzheitlicher oder dualistischer Anthropologie im NT) und Michael Welker (S. 119-130). Er „erprobt die Korrelation von Phänomenen und Theorien des Mikrogedächtnisses bzw. der Mikroimagination und des Makrogedächtnisses bzw. der Makroimagination.“ So Walter Sparn auf S. XXI; er fasst S. IX-XXIII in seiner „Einleitung“ die Beiträge glänzend zusammen. (gm)

Elisabeth Gräb-Schmidt / Reiner Preul (Hg.)
Marburger Jahrbuch Theologie XXIX
Anthropologie

2017
160 Seiten | 17 x 24 cm
Paperback
WGS 2542
ISBN 978-3-374-04986-8
24,00 EUR

Evang. Verlagsanstalt Leipzig



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