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Miegel, M.: Hybris. Die überforderte Gesellschaft

Ein Gärtner kennt Hybridpflanzen, man weiß um Hybridmotoren. Aber Hybris ist ein im Alltag sehr selten gebrauchtes Wort. Als Unmäßigkeit gehört es in den Katalog der sieben Todsünden. Laut dem deutschen Universalwörterbuch (Duden) bedeutet es „Hochmut, Überheblichkeit,Vermessenheit.“ Und genau diese Untugenden geißelt Prof. Miegel (früherer Mitarbeiter Kurt Biedenkopfs und Vorstandsvorsitzender vom Denkwerk Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung, das er mit ihm gründete).

Im ersten Teil (S. 19-149) zeichnet er anhand sehr vieler Fakten 13 moderne „Türme von Babylon“. Es fängt an mit immer wieder neu geplanten großen, komplizierten Bauvorhaben wie beispielsweise der Elbphilharmonie, dem neuen Berliner Flughafen und Stuttgart 21. Der letzte Abschnitt dieses ersten Teils hat die Globalisierung zum Inhalt. Das universelle Wirtschaften aber „kommt nicht ohne Raubbau an Umwelt und natürlichen Ressourcen aus.“ (S.145 umgest.) Dazwischen geht es um die Mobilität, Bildung, Sport, Arbeit und vieles andere mehr.

Über dem zweiten Teil (S .150-186: „Himmel auf Erden“) steht folgendes Wort Karl Poppers: „Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ Miegel setzt seine Philippika fort. Überall macht er den aggressiven, besinnungs- und maßlosen westlichen, säkularen Fortschrittsgedanken als Ursache aus. Die Folgen von exzessiver Produktion und Konsum beschädigen dann jedoch die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Und: die Wachstumsideologie mache weder wirklich glücklich, noch zufrieden. Also nichts Neues!

Nach gelegentlich ermüdenden Analysen und Bestandsaufnahmen ist man auf den dritten Teil gespannt.: „Die Kunst der Beschränkung“ (S. 187-250). Leider umfasst dieser entscheidende Teil nicht einmal 70 Seiten! Und wieder nennt Miegel nichts fundamental Neues. Und was er nennt, wirkt ´klein-klein´, beziehungsweise verbleibt so sehr im Allgemeinen, dass es nicht zu dem von ihm sicherlich völlig zu Recht geforderten Paradigmenwechsel passt: „Was jetzt gefragt ist, ist ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen, Phantasie, Improvisationsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft.“ (S. 254)

Der Epilog (S.251-256) beginnt wie der Prolog mit der Krise, dem einen und einzigen Hauptwort Miegels. Die wenigen Aufgeschlossenen und Willigen lassen ihn sein Buch dann doch mit einem kleinen „hoffen“ enden.
So ergibt sich eine doppelte Schlussbemerkung: Das große Plus in diesem Buch ist die Fülle an Fakten (326 Anm., 20 S. Literaturverweise). Das größte Negativum ist, dass es keine Schritte zu notwendigen Reformen an Haupt und Gliedern macht. In biblischen Metaphern gesprochen: Miegel starrt auf den babylonischen Turmbau (Gen 11,4 wird sogar zweimal genannt), der Pfingstgeist aber bleibt aus. (gm)

Meinhard Miegel
Hybris. Die überforderte Gesellschaft

Hardcover
gebunden mit Schutzumschlag
320 Seiten
ISBN-13 9783549074480
€ 22,99 [D] € 23,70 [A], sFr 32,50

Propyläen

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Wilckens, U.: Theologie des Neuen Testaments Körtner, U. H.J.: Die letzten Dinge