Freund/Lüdke: Alfred Lechler (1887-1971)

In Oberursel/Taunus gibt es die Alfred-Lechler-Straße. Denn dort, in der Kuranstalt / Klinik Hohe Mark wirkte der christliche Arzt, Psychotherapeut und Seelsorger Lechler von 1933 bis 1956. „Er wollte den Gegensatz von wissenschaftlicher und christlicher Betrachtung des Menschen überwinden und seinen Patienten als christlicher Arzt ganzheitlich dienen: sowohl mit ärztlich-therapeutischer Hilfe wie mit christlich-seelsorgerlichem Trost und Beistand.“ (S. 151) Bald nach seinem Tod – auf der darauf folgenden Seite - kann jedoch „nicht mehr von einer breiten Rezeption seines Wirkens die Rede sein“. Wohl deshalb findet man weder in der RGG noch in der TRE einen Eintrag zu „Lechler“, selbst nicht in wikipedia! Warum sich also mit Alfred Lechler und diesem Buch beschäftigen?

Erste Antworten werden im „Vorwort“ (S. 1-5) und durch den Blick aufs Inhaltsverzeichnis gegeben. Es zeigt sich nämlich, dass es den beiden Herausgebern und ihren drei Mitarbeitenden nicht nur um die Person Lechlers geht, sondern ebenso sehr auch um den politischen (nationalsozialistische Rassenideologie) und frömmigkeitlichen Kontext (DGD = Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband) und – das steht sachlich in der Mitte – um die Verbindung von christlichem Glauben und psychologisch-therapetischen Einsichten. Titel und Untertitel benennen exakt diese verschiedenen Aspekte. In acht Beiträgen werden diese ausgeleuchtet.

Meine Bewertung ist wie folgt:
- Man ist den Herausgebern und Mitarbeitenden dankbar für die Aufarbeitung und Darstellung vieler bis dato völlig unbekannter Quellen. Die Person Lechlers (vergleiche auch die sieben Abbildungen S. 145-149) und sein Medizin- und Seelsorgeverständnis gewinnen klare Konturen.

- Dieses Buch sollte lesen, wer an der Person Alfred Lechler Interesse hat oder wer im christlich-psychologischen Bereich tätig ist. (gm)


Henning Freund / Frank Lüdke (Hg.)
Alfred Lechler (1887-1971)
Psychiatrie im Spannungsfeld von Glaube und Politik

Reihe: Schriften der Evangelischen Hochschule TABOR
Bd. 7, 2017, 280 S., 24.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-13479-0

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