Das geht unter die Haut

Der neue Trend in Amerika, sich mit der Asche von Verstorbenen tätowieren zu lassen, ist sowohl aus theologischer als auch aus christlicher Sicht hochinteressant und skurril. In den USA hat sich eine wachsende Beliebtheit für Tätowierungen etabliert, die einzigartig sind, weil die Tattoo-Tinte mit der Asche eines Verstorbenen vermischt wird. Viele Amerikaner entscheiden sich für solche Tattoos, um eine dauerhafte Erinnerung an ihre verstorbenen Liebsten zu tragen​​.

Besonders in Kalifornien bieten einige Tattoostudios diese spezielle Form der Körperkunst an, wo Kunden die Asche ihrer Verstorbenen mitbringen, um sie mit der üblichen Tattoo-Tinte zu vermischen und unter die Haut zu stechen. Diese Praxis wird als Teil der Trauerarbeit gesehen, wobei Kunden die Asche von Familienangehörigen, Haustieren oder sogar von ihren Kindern mitbringen​​. Einige Bestatter in Amerika arbeiten bereits mit Tätowierern zusammen und bieten Anleitungen zur Herstellung von Tattoo-Tinte mit Asche auf ihren Websites an​​.

Die Sicherheit dieser Art von Tätowierungen wird hervorgehoben. Krematorien arbeiten mit hohen Temperaturen, sodass die entstehende Asche als vollständig steril gilt. Spezielle Unternehmen kombinieren Feuerbestattungsasche mit Tattoo-Tinte, wobei die Asche verschiedene Prozesse durchläuft, einschließlich der Entfernung aller Schwermetalle, Medikamentenreste und anderer Verunreinigungen sowie mehrschichtiger Sterilisationsprotokolle, um eine sichere und sterile Tinte zu gewährleisten​​​​.

Interessanterweise hat sich eine Frau aus Florida mit der Asche ihrer verstorbenen Haustiere tätowieren lassen. Sie sieht es als wichtigen Teil ihrer Trauerbewältigung und als Möglichkeit, ihre Tiere immer bei sich zu haben​​​​.

Aus theologischer und christlicher Perspektive wirft dieser Trend verschiedene Fragen auf. Das Christentum lehrt, dass der Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist und in der Auferstehung wieder auferstehen wird. Das Einbringen von Asche Verstorbener in den eigenen Körper könnte als eine Art Versuch gesehen werden, eine physische Verbindung mit den Verstorbenen zu bewahren, was aus christlicher Sicht problematisch sein könnte. Es könnte als eine Form des Fetischismus oder des Götzendienstes interpretiert werden, da es den Fokus von der spirituellen Verbindung mit Gott und dem Jenseits auf eine materielle und physische Verbindung mit den Verstorbenen verschiebt.

Zudem könnte argumentiert werden, dass solche Tätowierungen die Würde und den Respekt gegenüber den Verstorbenen untergraben könnten, indem ihre Überreste in einer Weise verwendet werden, die möglicherweise nicht ihrer vorherigen Zustimmung oder ihren religiösen Überzeugungen entspricht.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass in Deutschland dieser Trend sich vermutlich nicht so schnell durchsetzen wird, da im Gegensatz zu den USA ein sogenannter Friedhofszwang oder Friedhofspflicht gilt. Laut dem Bestattungsgesetz ist es vorgeschrieben, Verstorbene auf einem Friedhof beizusetzen, was die Mitnahme von Totenasche nach Hause und damit auch die Möglichkeit für ein solches Tattoo einschränkt​​.

Insgesamt zeigt dieser Trend, wie kreativ und vielfältig Trauerrituale sein können und wie unterschiedlich Kulturen und Religionen mit dem Tod und dem Gedenken an Verstorbene umgehen. Es ist ein Beispiel dafür, wie moderne Praktiken mit traditionellen Überzeugungen und Normen in Konflikt geraten können.

Quellen: focus.de, swr.de, cremationink.com (November 2023)


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