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Clement, J.: Gebete für die Vermissten

Nur ein Roman? Ja.Aber ein Tatsachen-Roman, also viel mehr als man üblicherweise unter einem Roman versteht. Die Autorin hatte nämlich dafür über zehn Jahre in Mexiko recherchiert. Was man bei uns zu den Themen Eingeborene, Armut, (Drogen-)Kriegen, (Menschen-)Schmuggel, Entführungen und Morden in Mexiko in den Medien sieht, liest oder hört, all´ das gewinnt am authentisch geschilderten Schicksal der Protagonistin Ladydi und ihrer Freundinnen und Familien erschütternde Konkretionen.

Sie – ihr voller Name lautet Ladydi Garcia Martinez – wächst bei ihrer Mutter (ihr Vater hatte sich aus dem Staub gemacht und lebt in den USA; viele andere Väter waren ermordet worden) in Guerrero in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern. Dort „regierten Hitze, Leguane, Spinnen und Skorpione. Das Leben war so gut wie nichts mehr wert.“ (S. 25) Alle Mütter verkleiden ihre Mädchen als Jungen, lassen sie hässlich aussehen und schicken sie in Erdlöcher, wenn sich die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler nähern. Jedes Jahr kommt ein neuer Lehrer, ein Arzt nur alle sieben oder acht Jahre. Kranke müssen ins Krankenhaus nach Acapulco gebracht werden. In einer Sequenz nicht enden wollender schlimmster Episoden bekommt man Anteil am Schicksal dieser vernachlässigten Menschen am Rande unserer Weltgesellschaft.

Im letzten, dem 27. Kapitel, sagt Ladydis Mutter: „Jemand hat ein Netz über dieses Land geworfen, und wir sind hereingefallen“ (S. 227). Die Mutter ist Alkoholikerin, lügt und stiehlt, liebt aber trotz allem ihre Tochter – und holt sie am Ende aus dem Gefängnis ab.

Der Titel könnte in die Irre führen und glauben lassen, es handle sich um ein christliches Buch. Ist es aber nicht. Nur einmal (S.26) wird etwas von einer Kirche gesagt; niemals taucht ein Pfarrer auf; Gott und Glaube spielen in Ladydis verarmter und benachteiligter Welt keine Rolle. Mehrmals ist zwar von Beten und Gebeten die Rede, aber nicht in einem qualifizierten Sinne. So heißt es am Ende des ersten Kapitels: „Bitte nie um Liebe und Gesundheit, sagte Mutter. Oder um Geld. Wenn Gott hört, was du willst, gibt er es dir nicht. Garantiert. Als mein Vater wegging, sagte meine Mutter, Knie nieder und bitte um Löffel.“ (S. 19)

Kurz gesagt: nicht wegen christlicher Inhalte empfehle ich dieses Buch, sondern weil es (bis vielleicht gegen Ende hin) spannend geschrieben - und sehr gut übersetzt ist. Und vor allem, weil es tiefe und sehr gute Einblicke in eine fremde Welt gibt, eine Welt, die so ganz anders als unsere Wohlstands-Weihnacht ist. (gm)


Jennifer Clement
Gebete für die Vermissten
Gebunden, 229 Seiten
ISBN: 978-3-518-42452-0
19,95 €

Suhrkamp Verlag

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Burke, P.: Die Explosion des Wissens Ogden, S.M.: Den christlichen Glauben verstehen