Hempelmann, Heinzpeter: Philosophie. Eine Einführung für Theologinnen und Theologen. Band 2
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Hempelmann, Heinzpeter: Philosophie. Eine Einführung für Theologinnen und Theologen. Band 2
Theologie denkt nie im luftleeren Raum. Sie spricht von Gott, Mensch und Welt immer auch in Auseinandersetzung mit den Denkformen ihrer Zeit. Darum ist Philosophie für Theologinnen und Theologen kein bloßes Nebenfach, sondern eine unverzichtbare Gesprächspartnerin. Wer Theologie treibt, muss fragen können, welche Menschenbilder, Weltdeutungen, Wahrheitsbegriffe und Lebensentwürfe im Hintergrund stehen.
Heinzpeter Hempelmann widmet sich in „Philosophie. Eine Einführung für Theologinnen und Theologen. Band 2 – Antike: Stoa – Epikur – Pyrrhonische Skepsis“ drei großen Strömungen der antiken Philosophie, die bis heute erstaunlich gegenwärtig sind. Nach dem ersten Band zu Vorsokratikern, Platon und Aristoteles richtet dieser zweite Band den Blick auf Stoa, Epikureismus und pyrrhonische Skepsis. Damit kommen Denkformen in den Blick, die nicht nur die Antike prägten, sondern auch das frühe Christentum herausforderten und bis in spätmoderne Lebenshaltungen hineinwirken.
Die Stoa fragt nach einem Leben in Übereinstimmung mit der Vernunft und der Ordnung des Ganzen. Sie sucht innere Freiheit, Gelassenheit und Selbstbeherrschung angesichts einer Welt, die der Mensch nicht vollständig kontrollieren kann. Der Epikureismus fragt nach Lust, Glück und Angstfreiheit – und damit nach einem Leben, das sich von falschen Furchtbildern befreien lässt. Die pyrrhonische Skepsis wiederum stellt Gewissheiten infrage, übt sich im Zurückhalten des Urteils und sucht Ruhe gerade im Abstand zu dogmatischen Festlegungen. Wer genau hinsieht, entdeckt: Diese antiken Denkweisen sind keineswegs erledigt. Sie begegnen auch heute in Ratgeberliteratur, Lebenskunst, säkularer Spiritualität, Wissenschaftsskepsis und moderner Sinnsuche.
Gerade für Theologinnen und Theologen ist diese Auseinandersetzung wichtig. Christlicher Glaube entstand nicht außerhalb der antiken Geisteswelt. Er musste sich in ihr verständlich machen, von ihr unterscheiden und zugleich Begriffe aufnehmen, die philosophisch geprägt waren. Die Begegnung mit Stoa, Epikur und Skepsis zeigt deshalb exemplarisch, wie Theologie im Gespräch mit Philosophie sprachfähig wird – und wo sie widersprechen muss.
Hempelmann gelingt es, diese philosophischen Traditionen so zu erschließen, dass sie nicht zu musealen Bildungsgütern werden. Sie treten als lebendige Gesprächspartner auf. Was ist ein gutes Leben? Wie gehen Menschen mit Angst um? Was kann Vernunft leisten? Wo liegen die Grenzen menschlicher Erkenntnis? Welche Rolle spielen Körper, Lust, Leiden, Schicksal, Freiheit und Hoffnung? Diese Fragen sind philosophisch – und zugleich zutiefst theologisch.
Besonders wertvoll ist der Zuschnitt auf Theologinnen und Theologen. Es geht nicht um Philosophiegeschichte um ihrer selbst willen, sondern um die theologische Relevanz philosophischer Denkformen. Wer predigt, unterrichtet, seelsorgerlich begleitet oder systematisch-theologisch arbeitet, begegnet immer wieder Grundannahmen, die selten ausdrücklich benannt werden. Der Mensch soll autonom sein, gelassen bleiben, glücklich werden, skeptisch prüfen, sich selbst optimieren oder sich von Angst befreien. Viele dieser Motive haben lange philosophische Vorgeschichten. Hempelmann hilft, sie zu erkennen und theologisch zu beurteilen.
Wohltuend ist die didaktische Anlage. Der Band setzt keine umfangreichen philosophischen Vorkenntnisse voraus, nimmt die Leserinnen und Leser aber ernst. Kurze Originaltexte und exemplarische klassische Texte lassen die antike Philosophie selbst zu Wort kommen; zugleich erleichtern Literaturhinweise und eine klare Aufbereitung den Zugang. So entsteht ein Buch, das sowohl für das Studium als auch für die eigene theologische Weiterbildung geeignet ist.
Für theology.de ist dieses Buch besonders interessant, weil es zeigt, wie fruchtbar die Begegnung von Theologie und Philosophie sein kann. Christlicher Glaube muss sich nicht vor philosophischem Denken fürchten. Im Gegenteil: Er gewinnt an Klarheit, wenn er die Denkformen kennt, mit denen Menschen ihr Leben deuten. Zugleich hilft Philosophie, vorschnelle fromme Antworten zu vermeiden und genauer zu fragen, worin die besondere Hoffnung des christlichen Glaubens besteht.
So ist „Philosophie. Eine Einführung für Theologinnen und Theologen. Band 2“ eine empfehlenswerte Einführung für alle, die Theologie nicht nur bekennen, sondern auch denken wollen. Heinzpeter Hempelmann erschließt antike Philosophie als Herausforderung und Hilfe für gegenwärtige Theologie. Der Band erinnert daran: Wer heute vom Glauben spricht, sollte wissen, mit welchen Denkweisen Menschen leben – damals wie heute.
Heinzpeter Hempelmann
Philosophie
Eine Einführung für Theologinnen und Theologen
Band 2 – Antike: Stoa – Epikur – Pyrrhonische Skepsis
190 S.
978-3-290-18794-1
22,00 €