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Karl Barth (1886-1968), häufig als der Kirchenvater des 20. Jahrhunderts tituliert, verfasste den sogenannten ´weißen Wal´, seine 13bändige Kirchliche Dogmatik (abgekürzt KD; der Übername rührt von dem weißen Leineneinband her). Wohl kein Theologe, der den einen oder anderen Band nicht in der Hand hatte. Aber man muss weit gehen, bis man jemand findet, der / die von sich behauptet, den ´weißen Wal ´ ganz gelesen zu haben. Man las sie nur in Ausschnitten, beziehungsweise verfolgte querschnittartig ein einziges Thema.
So auch der junge Schweizer Theologe Sommerhalder. Er untersucht in seiner Züricher Dissertation von 2023/24 (begutachtet von Matthias Wüthrich und von Christiane Tietz; der Verfasser wurde wesentlich auch angeregt von dem Barth-Kenner Michael Pfenninger) den Begriff des Reiches Gottes im Spätwerk Barths. Er macht das Reich Gottes als Kernbegriff des theologischen Spätwerkes Karl Barths aus; wie ein roter Faden durchziehe es dieses - und entspräche damit dem Beginn von Barths theologischer Arbeit; 1909 veröffentlichte Barth den Aufsatz „Moderne Theologie und Reichsgottesarbeit“.
Sommerhalder operiert in seiner Arbeit mit einer doppelelliptischen Struktur von Barths Zeitmodell in der Versöhnungsethik. Diese besteht ihm folgend aus Jesu Auferstehung, der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Wiederkunft Jesu Christi am Ende der Zeit. Dies halte ich für eine interessante, allerdings keine einfache These. Sie muss von der wissenschaftlichen Community erst noch verifiziert werde.
Zwei Bemerkungen möchte ich abschließend machen:
Zweifellos ist das Reich Gottes zentral für Jesus und sein Wirken (vgl. Mark 1,15 und die sogenannten Reich Gottes-Gleichnisse). Aber als alleiniger Begriff engt er vielleicht zu sehr ein. Dazu passt, dass in der neueren Eschatologie der Begriff ´Reich Gottes´ keine tragende Rolle spielt, bei Barth selber im ersten Jahr als Pfarrer überhaupt keine große (vgl. Karl Barth. Gesamtausgabe Band 56. Predigten 1912; beginnend mit Neujahr predigte er Sonntag für Sonntag 54mal – und formulierte jede Predigt wortwörtlich vorher aus!
Dankbar ist man als Leser*in von Sommerhalders Arbeit auf jeden Fall für seine ausführliche „Einleitung“ (S. 15-43) und für sehr viele seiner Beobachtungen und Gedankengänge.. (gm)
Raffael Sommerhalder
Ellipsen und Prolepsen
Das Reich Gottes beim späten Karl Barth in zeittheoretischer Perspektive
kartoniert
538 S.
54,-- €
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