Stößinger, Edwin: Zur marxistischen Beurteilung religiöser Kunst

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Stößinger, Edwin: Zur marxistischen Beurteilung religiöser Kunst

Mit dieser monumentalen, 666 Seiten umfassenden Studie legt Edwin Stößinger eine ebenso materialreiche wie differenzierte Untersuchung vor, die in ihrer Breite und Tiefe beeindruckt. Ausgehend von seinen früheren Arbeiten zur wechselseitigen Kritik von Marxismus und Theologie (vgl. Vorwort), richtet sich sein Blick nun auf ein bislang kaum systematisch erschlossenes Feld: die marxistische Kunstkritik religiöser Kunstwerke.

Der erste Teil der Arbeit klärt sorgfältig terminologische, theoretische und weltanschauliche Grundlagen. Begriffe, Kategorien, kunstwissenschaftliche Methoden und weltanschauliche Positionen werden transparent entfaltet. Dabei wird deutlich, dass marxistische Kunsthistoriker – trotz atheistischen Ausgangspunkts – religiöse Kunst keineswegs pauschal abwerteten. Vielmehr suchten sie, häufig universalhistorisch und enzyklopädisch, nach dem „Erbe humanistischer Traditionen“ in sakraler Architektur, Malerei und Plastik.

Der zweite, kunstgeschichtlich angelegte Hauptteil führt von den Höhlenmalereien des Jungpaläolithikums über Antike, Byzanz, Mittelalter, Renaissance bis hin zur religiösen Kunst des 20. Jahrhunderts – und dies weltweit: von Europa über Asien bis Amerika. Das Inhaltsverzeichnis zeigt eindrucksvoll die globale Perspektive dieser Untersuchung. Stößinger dokumentiert und analysiert marxistische Urteile zu Sakralbauten, Madonnenbildern, Ikonen, Renaissancewerken oder modernen Darstellungen – stets mit Blick auf Realismusbegriff, Humanismusverständnis und mögliche ideologische Prägungen.

Besonders wertvoll sind die differenzierten Schlussbemerkungen: Hier reflektiert der Autor kritisch die Frage nach Objektivität, nach parteilicher Engführung wie auch nach berechtigter kunsthistorischer Beobachtungsgabe marxistischer Autoren. Er zeigt, dass zwischen religiöser und marxistischer Perspektive keineswegs nur ein unüberbrückbarer Gegensatz besteht, sondern durchaus Berührungspunkte im Blick auf realistische Darstellungsformen oder humanistische Motive.

Diese Monographie ist mehr als eine Spezialstudie. Sie stellt in gewisser Weise eine umfassende Geschichte religiöser Kunst unter marxistischem Beurteilungsrahmen dar – und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung eines kunstwissenschaftlichen Diskurses, der nach dem Ende des Ostblocks oft vorschnell ad acta gelegt wurde. Für Theologen, Kunsthistoriker, Religionspädagogen und kulturgeschichtlich Interessierte eröffnet das Werk neue Perspektiven auf bekannte und weniger bekannte Kunstwerke.

Ein beeindruckendes, gründlich recherchiertes Standardwerk!

Edwin Stößinger
Zur marxistischen Beurteilung religiöser Kunst
Vom Jungpaläolithikum bis zum Ausklang des 20. Jahrhunderts

666 Seiten
ISBN 978-3-339-14748-6
124,49 €

Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2026

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