von Arnim, Gabriele: Abschied leben
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von Arnim, Gabriele: Abschied leben
Zuerst etwas zum Umfeld: Das Thema ´Abschied´ ist in den letzten Jahren mehrfach laut gemacht. Einige wenige Beispiele: In seinem Buch „Abschiede. Aufbruch in neue Welten“ (2022) schreibt der international bekannte Autor und Redner Pater Anselm Grün von den vielen Abschieden im Leben und natürlich auch vom Tod, dem letzten großen Abschied. Fast zeitgleich mit von Arnims Reflexionen erschien Stefan Seidel: Durch die Angst gehen. Das Alphabet der Hoffnung. Gleich beim ersten Buchstaben A geht es um „Abschiedlich existieren“. Will man weiter zurückgehen, landet man bei dem Tiefenpsychologen Sigmund Freud, der 1915 in seiner Abhandlung „Unser Verhältnis zum Tode“ dazu aufruft, den Tod nicht zu verdrängen, sondern – so am Ende - sich um des Lebens willen damit auseinander zu setzen. Denn: „Si vis vitam, para mortem. Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.“ Ganz in diesem Sinne schreibt von Arnim: „Manchmal übe ich sterben.“
Damit endlich zu Gabriele von Arnim und ihrem neuesten Werk: Sie ist eine längst angekommene Journalistin (sie war unter anderem in New York, veröffentlichte in großen Zeitungen und war in Rundfunk und im Fernsehen) und sie ist (Erfolgs-)Autorin, zum Beispiel mit „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“. Jetzt schreibt sie von kleinen und großen Abschieden im Leben, davon, wie diese uns zerstören und heilen, umformen und befreien.
Der erste Tagebucheintrag ihres Schreibjahres datiert vom 24.11., der letzte vom 21.11. des Folgejahres. Ein Jahr lang erzählt von Arnim über Abschiede, Träume, Gegenwartsängste und über ihre Lebensfreude, durchläuft sie – liest man auf dem Buchumschlag - „das Labyrinth ihres Wollens und Hoffens bis hin zum unentrinnbar letzten Abschied, ahnt den Schrecken der Endgültigkeit.“ Ihr Erzählen geschieht reflektierend, poetisch und nachfühlend; nach von Arnims literarischen Tagebucheinträgen findet man am Ende viele Belegstellen und ein Verzeichnis der verwendeten Literatur.
Zwei ihrer Kernsätze sind: „Abschied ist immer.“ Und deshalb: „Abschied ist der Ort im Jetzt.“ (S. 15; vergleiche S. 17) Beim „Verabschieden an Haustüren, auf Bahnhöfen, im eigenen Kopf, von Menschen, die sterben, von Geliebten, von Kindern, die erwachsen werden, von Wohnungen, Städten, Jobs. Aber auch von Meinungen und Prägungen, von früheren Ichs, von der Friedens- wie der Demokratiegewissheit.“ (gm)
Gabriele von Arnim
Abschied leben
Tagebuch eines Zeitgefühl
2026
gebunden
269 S.
24,-- €