von Choltitz, Dorothea: Klimakrise – was nun?

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von Choltitz, Dorothea: Klimakrise – was nun?

Die Klimakrise ist für Jugendliche kein fernes Zukunftsthema. Sie betrifft ihre Gegenwart, ihre Lebensplanung, ihre Ängste und ihre Vorstellung davon, wie eine gerechte Welt aussehen kann. Wer heute in der Sekundarstufe II Religion unterrichtet, kommt an diesen Fragen nicht vorbei. Die Herausforderung besteht darin, Fakten ernst zu nehmen, Verunsicherung nicht zu verstärken und zugleich Hoffnung nicht billig werden zu lassen.

Dorothea von Choltitz legt mit „Klimakrise – was nun? Neun Unterrichtsmodule für die Sekundarstufe II“ einen Materialienband vor, der genau diese Spannung aufnimmt. Das Buch verbindet sachliche Klärung, theologische Reflexion und lebensnahe Unterrichtsimpulse. Es will Schülerinnen und Schüler nicht mit Katastrophenszenarien überwältigen, sondern sie befähigen, differenziert zu urteilen, eigene Fragen zu formulieren und Verantwortung als Teil eines hoffnungsvollen Glaubenshorizonts zu verstehen.

Der Band beginnt dort, wo Unterricht heute ansetzen muss: bei der Frage nach Wahrheit und Orientierung. Existiert der anthropogene Klimawandel? Was ist Fakt, was ist Desinformation? Wie gehe ich emotional damit um? Diese Verbindung von Faktencheck und Selbstwahrnehmung ist didaktisch wichtig. Jugendliche brauchen nicht nur Informationen, sondern auch Räume, in denen sie ihre Sorgen, Zweifel und Abwehrmechanismen wahrnehmen können.

Die weiteren Module öffnen den Blick Schritt für Schritt. Es geht um Zukunftsbilder, Schöpfung und Wissenschaft, Gottes Verhältnis zur Welt, Anthropozentrismus, wirtschaftliches Handeln, Klimagerechtigkeit, Ernährung und Mobilität. Damit wird die Klimakrise nicht auf individuelles Konsumverhalten verengt. Sie erscheint als komplexe ethische, theologische, politische und soziale Herausforderung. Gerade diese Breite macht das Material stark.

Besonders hilfreich ist der schöpfungstheologische Zugang. Die Erde wird nicht nur als Umwelt des Menschen betrachtet, sondern als Schöpfung Gottes. Damit verändert sich die Perspektive. Die Welt ist nicht bloß Ressource, sondern Gabe, Mitwelt und Lebensraum aller Geschöpfe. Der Mensch steht nicht außerhalb dieser Welt. Er ist selbst Geschöpf, abhängig, begrenzt und verantwortlich.

Zugleich wird die Frage nach der Wissenschaft nicht gegen den Glauben ausgespielt. Das ist für den Religionsunterricht entscheidend. Glaube muss nicht dort ansetzen, wo Wissen endet. Er kann vielmehr helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse in einen ethischen und existentiellen Horizont zu stellen. Schülerinnen und Schüler lernen so, dass Theologie nicht Fakten ersetzt, sondern nach Sinn, Verantwortung und Hoffnung fragt.

Der Materialienband nimmt auch ökonomische und soziale Fragen ernst. Wie hängt unser Wirtschaften mit der Klimakrise zusammen? Was bedeutet Gerechtigkeit im Klimawandel? Wer leidet besonders unter den Folgen, und wer trägt Verantwortung? Solche Fragen führen über den eigenen Alltag hinaus. Sie helfen, die Klimakrise nicht nur als persönliches Moralthema zu behandeln, sondern als Frage globaler Gerechtigkeit.

Gut ist auch, dass konkrete Lebensbereiche aufgenommen werden. Ernährung und Fliegen sind Themen, die Jugendliche kennen und kontrovers diskutieren können. Dabei geht es nicht darum, Schülerinnen und Schüler moralisch unter Druck zu setzen. Es geht darum, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Handlungsoptionen zu prüfen und eigene Entscheidungen bewusst zu treffen.

Für Lehrkräfte ist die modulare Anlage praktisch. Die neun Einheiten ermöglichen unterschiedliche Zugänge und können je nach Lerngruppe, Zeitrahmen und Schwerpunkt eingesetzt werden. Der Downloadcode für Arbeitsblätter und Vorlagen erhöht die Nutzbarkeit im Unterricht. So bleibt das Buch nicht bei guten Ideen stehen, sondern bietet konkrete Materialien für die schulische Praxis.

Der besondere Gewinn liegt darin, dass Hoffnung nicht als Flucht aus der Krise verstanden wird. Christliche Hoffnung verdrängt die Realität nicht. Sie sieht die Gefährdung, benennt Verantwortung und hält dennoch daran fest, dass Handeln sinnvoll bleibt. Gerade Jugendliche brauchen diese Form von Hoffnung: keine Vertröstung, sondern Ermutigung zur Weltverantwortung.

So ist „Klimakrise – was nun?“ ein sorgfältig angelegter und gut brauchbarer Materialienband für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II. Dorothea von Choltitz verbindet Klimabildung, Ethik und Theologie so, dass Schülerinnen und Schüler ernst genommen werden – in ihrem Wissen, ihren Fragen, ihrer Sorge und ihrer Fähigkeit, Zukunft mitzugestalten.

Dorothea von Choltitz
Klimakrise – was nun?
Neun Unterrichtsmodule für die Sekundarstufe II

Calwer Materialien – Modelle für den Religionsunterricht

186 S.
978-3-7668-4777-5
28,00 €

Calwer Verlag

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