Die erste Islamisch-Theologische Fakultät Europas

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Die erste Islamisch-Theologische Fakultät Europas

Die Universität Münster setzt ein religions- und hochschulpolitisches Zeichen: Zum 1. Juli 2026 soll dort die erste Islamisch-Theologische Fakultät an einer deutschen Hochschule entstehen; der akademische Betrieb ist für das Wintersemester 2026/27 vorgesehen. Aus dem bisherigen Zentrum für Islamische Theologie, das seit 2012 besteht, wird damit ein eigenständiger Fachbereich mit acht Professuren. Die neue Fakultät erhält größere akademische Selbstständigkeit, etwa bei Forschungsprofil, Lehrangebot, Prüfungsordnungen sowie Promotions- und Habilitationsverfahren.

Für die Universität ist die Gründung ein „Meilenstein“ und zugleich ein gesellschaftspolitisches Signal. Zusammen mit der Evangelisch-Theologischen und der Katholisch-Theologischen Fakultät soll in Münster ein „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“ entstehen – in der Stadt des Westfälischen Friedens ein Ort des Gesprächs zwischen Wissenschaft, Politik, Religion, Kultur und Öffentlichkeit. Diese räumliche und institutionelle Nähe ist theologisch bedeutsam: Sie macht sichtbar, dass religiöse Bildung nicht in Parallelwelten gehört, sondern in den öffentlichen Raum kritischer Wissenschaft.

Inhaltlich formulieren die Leitlinien „Islamische Theologie in Verantwortung – Zukunft gestalten“ einen klaren Anspruch: Religion wird als Quelle von Sinn und Verantwortung verstanden. Genannt werden die Bejahung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die Abgrenzung von Extremismus, Antisemitismus und Islamismus sowie die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition. Auch Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit werden ausdrücklich betont.

Gerade für ein christliches Publikum ist dieser Schritt aufmerksam wahrzunehmen. Islamische Theologie erhält damit eine institutionelle Verankerung, wie sie für christliche Theologien an staatlichen Universitäten seit Langem selbstverständlich ist. Zugleich bleibt die Entwicklung nicht ohne Rückfragen: Kritiker warnen davor, der Staat könne durch organisatorische Rahmung mitbestimmen, welche Form islamischer Theologie als „kompatibel“ und lehrbar gilt. Auch die Rolle islamischer Verbände und ausländischer Einflüsse bleibt sensibel.

Die Gründung ist daher mehr als Verwaltungsreform. Sie ist ein Prüfstein moderner Religionspolitik: Anerkennung muslimischer Lebenswirklichkeit, Stärkung akademischer Theologie und Einladung zu einem interreligiösen Dialog auf Augenhöhe. Für Kirchen eröffnet sich hier eine wichtige Chance: nicht nur über den Islam zu sprechen, sondern mit islamischer Theologie wissenschaftlich, kritisch und respektvoll ins Gespräch zu kommen.

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